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Wappen auf dem Grabstein von Jakob Krauth (Urgroßvater) in Eberbach

 

Einige glückliche Zufälle ermöglichten es mir, die Linie meiner Vorfahren bis etwa 1500 zurückverfolgen zu können.

Anfragen beantworte ich gerne, wenn ich dafür auch Informationen im Austausch bekomme. Meine Liste der Krauths umfaßt über 1240 Stammpersonen.

Die direkte Linie der Vorväter meiner Linie kann  HIER in *.pdf - Format abgerufen werden

Nachfolgender Artikel über die möglichen Ursprünge vor 1500 von mir ist im Eberbacher Geschichtsblatt 2003 erschienen.

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Bernhard Krauth

Überlegungen zur Herkunft des Contz von Crauthaussen

Stammvater der Eberbacher Namenssippe „Krauth“ - ein Abkömmling einer niederadligen Familie?

1.)   Die Fakten

Der Familienname „Krauth“ ist in Eberbach seit ca. 1500 vertreten. Durch die Nachforschungen von Herrn Hermann Eiermann, bekannter Eberbacher Bürger, ehemaliger Stadt­kämmerer und Nachfahre einer ebenfalls alten Eberbacher Familie, ist die Entstehung des Familiennamens nachvollziehbar. Der älteste belegbare Vorfahre der „Krauth’s“ ist Contz von Crauthaussen, welcher 1517 erstmals in Eberbach erwähnt wird [1]). Contz von Crauthaussen war zusammen mit Hans Raule für die Jahre 1517/18 Rechnungssteller beim Neubau des Kirchels auf dem Hebart, übte also bereits eine vertrauensvolle Tätigkeit aus [2]). Er hatte, soweit bekannt, zwei Söhne, von denen der erste Sohn die präpositionale Formulierung „von“ nicht mehr im Namen trug und bei dem das „–en“ in „-haussen“ wegfiel, während bei dem zweiten Sohn der zweite Namensteil „haussen“  ganz wegfiel, dieser also nur noch „Craut“ hieß. Das Kind des ersten Sohnes schrieb sich dann „Krauthaus“, eine weitere Entwicklung ist hier nicht bekannt, da über eine Fortsetzung dieser Linie nichts bekannt ist.

Drei Kinder des zweiten Sohnes schrieben sich „Kraut“, drei weitere Kinder „Krauth“. Im Laufe der weiteren Geschichte ist zu beobachten, daß im Prinzip alle in Eberbach verbliebenen „Kraut“ sich ebenfalls ab ungefähr 1820 in „Krauth“ „verwandelten“. Ob dies auch bei abge­wanderten „Kraut“ so verhielt, wissen wir nicht. Bei einem Zweig in Neckargemünd ist über einen längeren Zeitraum belegbar, daß hier die Schreibweise ohne den Konsonanten „h“ beibehalten wurde. In manchen Zweigen wurde für einige Generationen der Name ohne „h“ geschrieben, obwohl Vor –und Nachfahren die gewohnte Schreibweise  hatten. Die unterschiedlichen Schreibweisen – mal mit, mal ohne „h“ – sind mit Sicherheit auf die jeweiligen Schreiber, also Schreiber der Stadtverwaltung und die Pfarrer, zurückzuführen. Schließlich gab es früher ja keine festgelegte Rechtschreibung.

Doch zurück zu Contz von Crauthaussen. Der früheste Beleg zu dieser Person stammt – wie bereits erwähnt - aus dem Jahre 1517, ohne Hinweise auf Herkunft oder andere Umstände wie Beruf, Stand, etc. Hansmartin Schwarzmaier weist darauf hin, daß der Familienname „Krauth“ in Eberbach erst ab 1500 aufgetreten ist [3]). Dies läßt zumindest die Vermu­tung aufkommen, daß Contz von Crauthaussen nach Eberbach zugewandert ist.

Manch einer mag denken, daß das „von“ im Namen auf eine adelige Abstammung hinweist. Dies ist, wie im folgenden zu sehen, sehr gut denkbar, muß aber nicht der Fall sein. Gerade im Mittel­alter war es durchaus üblich, Perso­nen von außerhalb mit deren Herkunftsort zu bezeichnen. Im Rahmen der Entstehung von Fa­miliennamen wurden auch, neben Berufs- oder Tätigkeitsnamen, Herkunftsorte zur Bildung des Familiennamens benutzt. Die Präposition „von“ drückte im Mittelalter also oft nur die örtliche Herkunft aus, und nicht eine adelige Abstammung.

Im Deutschland des Mittelalters gab es mindestens zwei adelige Familien, die den Namen „von Krauthaus(en)“ in den verschiedensten Schreibweisen führten. So z.B. als „de Cruthus“, „de Crut­husen“, „von Crauthus“ etc. Des weiteren gab es bürgerliche Familien dieses Namens, also ohne der Präposition „von“, die entweder den Namen auf eine entsprechende Herkunft (also einen Ort Namens „Krauthausen“) oder ehemaliger adeliger Abstammung zurückführten. Eine Familie dieses Namens lebte im linksrhei­nischen Gebiet im Raum zwischen dem Rhein und den Niederlanden, und verbreitete sich später etwa bis Koblenz. Ein Nachfahre dieser Familie, dem ich fast alle Informationen zu den „Kraut­haus“ verdanke, ist Herr Dr. Udo Krauthausen aus Mainz. Eine weitere Familie derer „von Krauthausen“ (in verschiedener Schreibweise) hatte ihr Verbreitungsgebiet im hessisch – thüringischen Bereich [4]). Zwischen Eisenach und Erfurt gibt es eine kleine Ortschaft namens „Krauthausen“ [5]), eine weitere bei Sontra [6]). Möglicherweise zurückgehend auf eine Burgmannenfamilie der Boyneburg bei Sontra in Hessen um das Jahr 1100 herum verbreiteten sich diese über Eschwege, wo sie den Stamm einer Ratsherrenfamilie bildeten, weiter nach Ei­senach und Erfurt und dem entsprechenden Umland, später offenbar auch weiter nach Osten. Möglicherweise handelt es sich aber auch um verschiedene Familien, nach ihrer Herkunft aus einem der beiden Krauthausen in der Region benannt, die sich entsprechend ausgebreitet haben.

 

2.)   Theorien zur Herkunft des Contz von Crauthaussen

Alle folgenden Überlegungen sind rein hypothetischer Natur. Da über Contz von Crauthaussen keine weiteren Informationen vorliegen als seine Anwesenheit in Eberbach im Jahre 1517 und daß er unser ältester Stammvater ist, kann alles andere nur Theorie sein. Die Zuwanderung von Contz von Crauthaussen wird sicherlich vor 1517 gewesen sein. Da der eine Sohn Cuntz Crauthauss bereits 1542 Gemeindebürgermeister in Eberbach war [7]), sicherlich auch nicht als junger Mensch, so kann man vermuten, daß Contz von Crauthaussen um das Jahr 1500 nach Eberbach kam, und zu dieser Zeit vermutlich wenigstens 20 Jahre alt gewesen sein dürfte, also ca. 1480 geboren sein müßte. Diese Überlegung wäre nur dann falsch, wenn Contz von Crauthaussen mit Frau und Kindern zugewandert wäre und nicht in Eberbach eingeheiratet hätte. Daß zu dieser Zeit jemand mit Kind und Kegel durch die Lande zog, auf der Suche nach einer neuen und sicheren Bleibe, kann man bezweifeln.

Damit komme ich zur Frage nach dem Beruf. Meist vererbten sich die Berufe von Vater auf Sohn. Der eine Sohn war Leineweber, also könnte der Vater ebenfalls Leineweber gewesen sein. Diese Überlegung wird im weiteren noch eine Stütze für die Herkunftstheorie sein.

Woher könnte Contz von Crauthaussen also nun gekommen sein, falls er nicht Nachfahre eines oder mehrerer schon seit längerem in Eberbach ansässigen, aber schriftlich nicht erwähnten (Adels-) Geschlechts „von Crauthaussen“ war ?

 

Hiermit kommen wir auf die bereits angesprochenen zwei Stammfamilien dieses Na­mens zurück. In der Annahme, daß „von Crauthaussen“ tatsächlich auf adeligen Ursprung beruht, kann die Her­kunft im Prinzip nur bei einer der beiden beschriebenen (Adels-) Geschlechter liegen, da vermutlich keine weiteren Geschlechter dieses Namens in Deutschland beheimatet waren. Herr Krauthausen aus Mainz hält einen abgewanderten Contz von Crauthaussen aus seinem Familienkreis, also aus dem linksrheini­schen Gebiet, für eher unwahrscheinlich [8]). Zum einen, weil seine umfangreichen Nachforschun­gen keinerlei Hinweis auf eine Abwanderung seiner Familie so weit in den Süden Deutschlands geben, und es nicht erwiesen ist, ob diese Familie überhaupt adelig war, zum anderen auf Grund der für damalige Verhältnisse „großen Entfernung“. Entfer­nungsmäßig liegt das linksrheinische Stammgebiet, etwa Köln als Mittelbereich genommen, lediglich ca. 50 km weiter entfernt als das Stammgebiet des hessisch – thüringischen (Adels-) Ge­schlechts. Insofern ist das Entfernungsargument in meinen Augen nicht sonderlich ausschlagge­bend. Hier wären eher schon die geographischen und damit infrastrukturellen Gegebenheiten anzuführen.

 

Wer sich vom Rheinland aus nach Süden bewegte, wird in erster Linie dem Fluß als Hauptver­kehrs­ader gefolgt sein. Wer die Route nach Heidelberg als Hauptstadt der Kurpfalz eingeschlagen hat, dürfte bei einem dortigen Abzweigen nach Osten eher die Reichsstraße nach Wimpfen und Heilbronn genommen haben als den Neckar, an dem es bestenfalls Trei­delpfade zu jener Zeit gab. Eberbach war, bis ins letzte Jahrhundert hinein, eine Stadt in einer Nische ohne nennenswerte Verbindungen nach Westen und Osten - außer auf dem Neckar. Dagegen hat es von Eberbach nach Norden hin schon vermutlich seit der Römerzeit straßenähnliche Verbin­dungen gegeben. Und damit kommen wir zum hessisch – thüringischen Herkunftsbereich. Wer von Sontra, Eschwege etc. sich nach Süden orientiert, wird auch hier den Flußläufen gefolgt sein, wie z. B. entlang der Fulda. Bis zum Main verlaufen hier mehrere Flußtäler in vorwiegend Nord – Süd – Richtung, und die Verbindung vom Main zum Neckar wurde durch entsprechend frequentierte Straßen ermöglicht. Das ein nach Süden ziehender Wanderer hier vielleicht am Main etwas vom Kurs abweicht und damit auf die Verbindung nach Eberbach statt z.B. nach Wimpfen gelangt (oder eine andere, von Gelnhausen, Aschaffenburg oder gar Würzburg gesehen südliche Stadt), ist wahrscheinlicher als die eines Wanderers aus dem Rheinland, sich bei Heidelberg neckaraufwärts zu verirren. Auch hier mag man entgegnen, wenn Contz von Crauthaussen z.B. eine Schiff genommen hätte, wäre er eher dem Neckar gefolgt. Und hier kom­men wir auf den Beruf zurück: Ein einfacher Leinweber besaß kaum die Mittel, um mit einem Schiff zu reisen, höchstens als sogenannter „Überarbeiter“. Weiterhin spricht für eine thüringische Herkunft, daß in dem genannten Bereich eine Woll- bzw. Leinenindustrie bestand [9]), was sich mit dem vermuteten Beruf des Leinewebers decken würde.

Für mich sprechen die geschilderten geographischen und infrastrukturellen Argumente mehr als das der Entfernung, wenngleich die Entfernung vom hessisch - thüringischen Bereich nach Eberbach etwas geringer ist als zum Rheinland. Unterstützt wird die Theorie einer möglichen Herkunft von Norden her durch einen kleinen handschriftlichen Zettel meines Großvaters, der von einem (nicht weiter zuzuordnenden) Daniel Krauth aus Schluchtern in Hessen um 1809 spricht. Zwar ist eher anzunehmen, daß dieser Krauth von Eberbach ab­stammt als z.B. von Eschwege, aber bezeichnend ist zumindest, daß Schluchtern ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke vom Stammgebiet zum Neckar liegt. Zumindest könnte dies als weiteres Argument gelten.

Wenn man also das Adelsgeschlecht „de Cruthusen“ von der Boyneburg als Vorfahren annimmt, dann wäre nach dem Auffinden des Verbindungsgliedes zwischen Contz von Crauthaussen und der hessisch – thü­ringischen Linie die Eberbacher Familie Krauth sogar bis um das Jahr 1000 n. Chr. zurückver­folgbar. Leider ist die Wahrscheinlichkeit hierzu gleich Null. In den meisten Gegenden Deutschlands sind viele Unterlagen schon von vor oder während des 30-jährigen Krieges verloren gegan­gen; so z.B. auch in Eisenach [10]), einem möglichen Herkunftsort des Contz von Crauthaussen. Und wenn Contz von Crauthaussen tatsächlich nur Leineweber gewesen war, warum sollte sich jemand die Mühe gemacht haben, seinen Namen irgendwo schriftlich zu fixieren? Da es Kirchenbücher und somit Geburts­registratur - landschaftlich verschieden - erst etwa seit 1550 gibt, und vorher nur Zins- bzw. Bürgerbücher, ist es schwierig, Zusammenhänge zwischen Personen zu belegen.

 

Eine ganz andere Frage ist: Warum hat ein Contz von Crauthaussen überhaupt seine Heimat verlassen und (ggf. weit entfernt) sich eine neue Heimat erwählt ? Gründe mag es viele geben: Krieg, Hunger, feh­lende Beschäftigung, andere politische oder religiöse Ansichten. Eine sehr gewagte Überlegung: Die Erwähnung unseres Urahnes erfolgte 1517. Er kam vielleicht aus dem Gebiet Eisenach – Erfurt....- Wartburg... Dort schlug Martin Luther im Jahre 1517 seine Thesen an. Seine Auslegung der Bibel hatte er schon Jahre vorher in den Kirchen der Region gepredigt. Vielleicht war Contz von Crauthaussen ein früher Anhänger von Luthers Ideen, vielleicht gar ein persönlicher Bekannter des Reformators. Und vielleicht wurde er auf Grund seiner Anhänger­schaft verfolgt, vertrieben oder ihm das Leben schwer gemacht. Und so ergriff er die Flucht und suchte sich fernab der Heimat ein ruhiges Plätzchen: Eberbach.

Alles ist möglich. Wenn dieser Beitrag den ein oder anderen Leser ermutigt, auch über seine Vorfahren zu forschen, dann hat er schon etwas bewirkt.

 

Für Anfragen zu Vorfahren aus der Familie Krauth steht neben dem Stadtarchiv Eberbach der Verfasser gerne zur Verfügung. Anfragen können schriftlich an nachgenannte Adresse gestellt werden. Aus beruflichen Gründen kann eine Antwort allerdings gegebenenfalls erst nach mehreren Monaten erfolgen.

Bernhard Krauth

Neue Straße 10

26835 Holtland


 

[1]) Stadtarchiv Eberbach III-q nr. 6 (Rechnung des Heiligen Kreuzes auf dem Hebart); vgl. John Gustav Weiss: Eberbacher Familien-Namen vor dem Dreissigjährigen Kriege, in: Dr. Weiss, Verschiedene Schriften Band XII [Quadrangel 151], (aufbewahrt in: Abt.26 Archivbibliothek).

[2]) zum Neubau des Kirchels vgl. John Gustav Weiss: Das "Kirchl" auf dem Hebart, in: Eberbacher Geschichtsblatt 35 (1936), S. 4-10. 

[3]) Hansmartin Schwarzmaier: Geschichte der Stadt Eberbach am Neckar bis zur Einführung der Reformation 1556 (= Geschichte der Stadt Eberbach am Neckar, hg. von der Stadt Eberbach am Neckar Band 1), Sigmaringen 1986, S. 207.

[4]) Schriftverkehr von Herrn Dr. Udo Krauthausen mit Herrn H. Eiermann und dem Autor, mit verschiedenen Archiven in Eschwege, Eisenach, Erfurt u.a., vor allem aber: Karl August Eckhardt: Eschwege als Brennpunkt thür. – hess. Geschichte, Marburg 1963. Der Verfasser dieses Textes verfügt lediglich über einzelne Kopien dieses Werkes. Das Werk soll auf Unterlagen des Hessischen Staatsarchives in Marburg beruhen.

[5]) früher selbständige Gemeinde im ehemaligen Kreis Eisenach in Thüringen.

[6]) Krauthausen in Hessen = 36205 Sontra.

[7]) Stadtarchiv Eberbach VI-3 fol. 151 (Eintrag: Montag nach Sant Laux Tag (= 23. Oktober) 1542).

[8]) Udo Krauthausen: Stammbaum über das rheinische Adelsgeschlecht in: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde XXIII (1967,4), Sp. 231 ff.; über die bürgerliche Familie ders.: Die Geschichte der Rheinisch-Westfälischen Familie Krauthausen 1500 – 1965, Neustadt a.d.Aisch 1969.

[9]) „Putzger Historischer Weltatlas“, Cornelsen – Velhagen & Klasing Verlag, 1982, S. 68/69 „Wirtschaft ...Europas ... um 1550.

[10]) Das Archiv der Stadt Eisenach wurde durch einen Brand 1636 fast vollständig vernichtet, vgl. Minerva - Handbücher: Archive. Archive im deutschsprachigen Raum. A-N, zweite Auflage Berlin - New-York 1974, hier. S. 243-244.

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